Um Wissenschaft
wird in diesem Roman gefochten und um den Glauben, beide
herausgefordert durch eine Revolution unseres Welt- und
Selbstverständnisses, deren Motor die Erforschung unseres eigenen
Gehirnes ist.
Aus dem Klappentext:
Gottwin Thomas Wisweh, Geschichtsprofessor mit einem auslaufenden Arbeitsvertrag, ärgert sich über seinen Instituts-Chef. Auf Revanche sinnend blättert er in einem Nachrichtenmagazin. Seitenweise Parteienstreit, Wirtschaftsprobleme, religiös motivierter Terrorismus …, und dann schrillt es: "Gott, ein Hirngespinst?". Um den Siegeszug der Hirnforschung geht es in dem Artikel, um neue Einsichten in unseren Seelengenerator, vor allem aber um das so genannte "Gottes-Modul". Als Thomas Wisweh das Heft zur Seite legt, ahnt er nicht, dass das Schicksal gerade dabei ist, seine Karten neu zu mischen. Naturwissenschaftler, Mediziner und Geistes-wissenschaftler lernt der Leser kennen – alles andere als Alltagstypen -, und die Querelen mit Aileen, Thomas' Freundin. Buchhändlerin ist sie, intelligent, und sie weiß, wie sie ihn nehmen muss. Als alles zum Besten zu stehen scheint, kommt Hilmar ins Spiel. Überzeugt ist dieser, dass der Professor von Satan beherrscht wird und in dessen Auftrag steht, die Menschen von Gott abzubringen.
Generationen
von Studenten ließen sich von Wolfs Vorlesungen inspirieren, viele
anderen Menschen durch seine öffentlichen Vorträge. Als ambitionierten
Forscher und Hochschullehrer beseelt ihn der Wunsch, zusammen mit
möglichst vielen Menschen den ganz großen Fragen nachzugehen, und das
ohne sich mit gängigen Schein-Antworten zufrieden zu geben. Mit "Der
HirnGott" hat Wolf einen Wissen-schaftsroman vorgelegt, mit dem es ihm
in einer faszinierenden
und bislang ganz einmaligen Weise gelingt, das Spannungsfeld von
Wissenschaft und Glauben in einer ausgesprochen unterhaltenden Form zu
vermitteln.
Leseproben:
Thomas’ Blick fällt auf die Zeitschrift, die er heute
Morgen im Supermarkt gekauft hat. Seitenweise Parteienstreit,
Wirtschaftsprobleme, dann Nanotechniken, ein Artikel über die deutsche
Bildungsmisere und über die Globalisierung des religiös motivierten Terrorismus
ein anderer. Dazu Bilder von wild gestikulierenden Muslimen, von
brandschatzenden Kreuzrittern, Porträts von Gläubigen, in deren Augen der
Fanatismus flackert, ein Bild von einem Exorzismusopfer, eines von
maskierten Selbstmordat-tentätern und ein anderes, auf dem man
aufgebrachte Hindus sieht, die mit Stöcken bewehrt über eine Moschee
herfallen. »Gott, einHirngespinst?« schrillt die Überschrift des folgenden
Artikels. Amerikanische Wissenschaftler hätten ein Modul in unserem Gehirn
entdeckt, vondem die Gottesvorstellung produziert würde, das Gottes-Modul. Erleuchtung brächte es. Bilder mit Querschnitten durch das Gehirn
sind zu sehen. Von Epileptikern ist die Rede und von religiösen
Fanatikern. Ein Pfeil weist auf eine Region im Gehirn, die für unseren
Glauben zuständig sei: Hier wohnt Gott! Behauptet wird viel, der liebe Gott kann ein
Lied davon singen. Eine neue Forschungsrichtung wäre im
Entstehen, die Neurotheologie. Gott, ein Hirngespinst? – da wird sich die Leserbrief-Abteilung noch ein paar
Extra-Postsäcke zulegen müssen.
… Noch einmal wirft Thomas einen Blick in das Magazin.
Fett gedruckt steht da: »Wo nicht überall haben die Menschen nach den Göttern
und nach Gott gesucht. Im Meer wähnten sie den Meeresgott, im Wald den
Waldgott, auf dem Olymp sollten die Götter thronen, Michelangelo malte Gott auf
einer Wolke, selbst im Weltall wurde Gott gesucht, nur nicht im
Nächstliegenden, im Gehirn.«
***
"Herr
Kollege," hebt Sobetzki feierlich an, "nichts ist in unserem Geist,
nichts in unserer Seele, was nicht im Gehirn ist. Und bitte bedenken Sie, ein
Geisteszustand wird im Gehirn nicht etwa nur 'gespiegelt' oder
'widergespiegelt'. Nein, nein, das Gehirn ist der Produzent des Geistes oder,
wie immer Sie dazu sagen wollen, der Seele. Spirituelle Erfahrungen gehören
dazu. Auch göttliche Offenbarung ist eine Hirnleistung, was sonst? Es darf also
überhaupt nicht verwundern", und dabei legt er die Hand auf Thomas' Arm,
"wenn man beim Meditieren oder Beten entsprechende Hirn-Aktivitätsmuster
beobachtet, einerlei ob beim Buddhisten, Hinduisten oder Christen - ganz
egal."
(Nach
einigen weiteren Bieren): "Tja, und nun zur Moral. Die kommt, davon bin
ich f…fest überzeugt, fest überzeugt, auch ohne einen … , einen imaginären
äußeren Aufpasser aus." Mit sichtlicher Kraftanstrengung weist Sobetzki
nach oben. Thomas folgt automatisch, sieht aber nur die Deckenleuchte, in deren
Schalen sich einige tote Fliegen angesammelt haben.
"Meine
moralische Instanz ist mein Gewissen. Hier drinnen, tief drinnen."
Sobetzki zeigt nun auf sein Herz, revidiert sich dann schwerfällig lächelnd und
weist mit schlaff gekrümmtem Finger auf seine Schläfe.
"Klingt
nach Kant: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in
mir."
"So
isses, Thomas. Die Evolution hat's uns hier oben eingebaut, das moralische
Gesetz. Soziobiologie!"
"Was
Soziobiologie?"
"Al…,
Altruismus und die Einhaltung von Spielregeln sind für s…sozial organisierte
Tiere existenznotwendig, für die höhern jedenfalls. Der Wächter ist das
Gewissen. Bei Verletzung werden wir durch Gewissensbisse bestraft. Uralt, das
Prinzip", winkt Sobetzki müde ab. "Die Menschwerdung hat daran nichts
geändert. - Fast nichts", lacht er. "Per Selektion sind die Bösen
aussortiert worden, auf lange Sicht jedenfalls, die gesamte Zeit der
Menschwerdung über. Denn Gewissenlose haben weniger Chancen in der Gruppe, und
den Frauen. Meinst du nicht? Die Weiber wählen aus, nich' wir! Unsere
Z…zuchtmeister sin'se! Schlau, hm? Immer tun sie so, als ob wir die Auswähler
wären! Und nu sim’mer so, wie die uns wollten, und trotzdem sind se nich'
zufrieden! Aber noch mal: Gewissen und Gewissensbisch…bisse, kennst du doch von
dir selber, hm? Oder? Da soll mir doch mal jemand beweisen, dass die da, die
Christen, die bessern Menschen sind. Schweinehunde gibts da wie dort …Und
du?"
"Was
'und ich?' Ein Schweinehund?" feixt Thomas, nun langsam selber vom Biere
selig. Sobetzki legt lachend seine Hand auf Toms Arm:
"Ich
meine, wie hältst du's denn mit dem Herrgott, hm? Müsstes’ eigentlich …, die
Statistik will's, … jeder zweite!"
"Im
Ernst, Konrad, ich hab da meine Probleme mit einer klaren Antwort. Mir geht’s
wie Faust, als seine Grete …, na ja. Mein Verstand sagt nein, mein Herz ja ...
- mein Lümbisches Sis… , mein Limbisches System. Und außerdem: Vielleicht ist
der Glaube an einen …, einen zweiten Moralwächter ganz gut, einen externen.
Zusätzlich zum Gewissen, meinst du nicht auch?"
Spät
ist es geworden, als die beiden aufbrechen, und zu spät für die Aspirin, die
Thomas schon mit dem zweiten Glas Bier hätte einwerfen sollen.
***
Mit
entsetzlichen Kreuzschmerzen erwacht Thomas am Morgen, quer im Sessel
liegend. Ächzend versucht er sich zu erheben, lässt sich dann doch lieber zu
Boden rollen, um sich zwischen Sessel und Tisch in die Lotrechte zu stemmen.
Hinkend erreicht er das Telefon. Dasselbe Ergebnis: Aileens Apparat stellt sich
tot, und ihr Handy ist aus. Im Bad präpariert sich er hastig für den neuen Tag,
hat auch bald seinen Kamm gefunden, und schon will er zu Aileen hinfahren, da
meldet sie sich endlich doch am Telefon. In Eile wäre sie, müsse in den Laden.
Kühl und klirrend dringt es aus dem Apparat. Er ist nun halb in Panik und
beschwört sie, ihm doch bitte zuzuhören. Es wäre alles so überraschend gewesen,
er liebe sie ohne Ende und, wenn es nur irgend anginge, würde er noch heute mit
ihr zum Standesamt ziehen.
Aileen
ist zunächst still und rät ihm dann, er solle nichts überstürzen. Thomas stöhnt
auf. Nein, sagt sie, sie hätte es schon bereut, ihn gestern Abend derart
überfallen zu haben. Er möge bitte über ihren Vorschlag gründlich nachdenken.
Auch habe er gute Chancen, jemanden anderes zu finden, eine Frau, die jünger
ist als sie - und vollständig gesund. Wenigstens eine Woche Abstand sollten sie
einhalten. Sie möchte ihn vorher keinesfalls sehen. So, und nun müsse sie
gehen.
Thomas
ist sprachlos. Er kann nicht einmal ihr "Tschüss" erwidern, schon hat
sie aufgelegt. Sofort muss er zu ihr. Seine Schuhe finden sich nach kurzem
Suchen unter dem Tisch, und schon eilt er hinaus, wirft die Wohnungstür hinter
sich zu und rennt die Treppe hinunter. Noch bevor er an der Haustür ist, stellt
er fest, dass er die Autoschlüssel nicht dabei hat. Er läuft zurück und nimmt zwei
und drei Stufen auf ein Mal. Vergeblich: Auch die Wohnungsschlüssel hat er
vergessen, die Brieftasche ebenso. Er spürt, wie es ist, wenn einem der
Verstand abhanden kommt. Schreien könnte er. Mit dem Fuß tritt er so gegen die
Tür, dass es im ganzen Haus dröhnt. Und noch einmal.
***
"Das
mag schon alles sein", wendet Thomas gereizt ein. "Ich verstehe
aber immer noch nicht, Herr Clemens, wie Sie das mit dem 'Gott im Gehirn' in
Zusammenhang bringen wollen."
Das
war ein Fehler. Um das Feuer zu löschen, hätte er nicht in die Glut blasen
sollen. Clemens zieht seine linke Augenbraue hoch und blickt ihn missbilligend
an:
"Wirklich
nicht, Herr Wisweh? Liegt doch wohl klar auf der Hand. Gemeinsame Mythen und
Mystik gehören selbstverständlich genauso zu dem Kitt, zu dem Band. Denken Sie
an einen großen alten Baum als Quasi-Gott, oder an einen nebelverhangenen Berg
oder an imaginäre Personen, die Götter also, an …, an Waldgeister, Trolle, …
was weiß ich."
"Die
Respektabilitäten der großen Weltreligionen, Gott, Mohammed, Buddha, Shiva
…", wirft Thomas ein, um dem andern nicht das Wort allein zu überlassen.
"Egal
was, alles ist als Bindemittel geeignet, vor allem dann, wenn übernatürliche
Kräfte hinzufantasiert werden. Keine Kultur, denke ich doch, hat je auf Mythen
und Mystik verzichtet, die Geschichte der Völker ist voll davon – nun, das
sollten Sie besser wissen als ich. Auf Mythen und Frömmigkeit zu bauen, bindet,
macht stark. Glaube schafft Zuversicht, positive Befindlichkeiten mindern
Stress, lassen gesunden, und so was koppelt positiv zurück, bestärkt den
Glauben, kurzum: Der Hang zum Mystischen, zum Irrationalen, zum …, zum
Übernatürlichen, ist Ergebnis einer positiven Selektion! Damit meine ich aber
nicht - das sei betont, natürlich meine ich nicht - die konkreten Inhalte. Die
meine ich nicht, Herr Kollege!"
***
Auf
Thomas' fragenden Blick hin ergänzt Westphal, der Theologe: "Warum nicht?
Wir ermutigen unsere Studenten sogar, diese Vorlesung zu besuchen, auch
Vorlesungen in Theoretischer Physik und Astronomie zum Beispiel. Philosophie
gehört sowieso zum Fächerkanon unserer Ausbildung. Hernach diskutieren wir hier
in unseren Seminaren. Die jungen Leute sollen sich mit den Argumenten der
Anderen rechtzeitig vertraut machen. Aber zu Clemens zurück: Mit dem Gedanken,
dass sich die Fähigkeit zur Spiritualität in der Architektur unseres Gehirns
verfestigt hat, dass wir möglicherweise sogar mit einer entsprechenden
Hirnstruktur geboren werden, kann ich mich sehr wohl anfreunden." Mit
einem gewissen Unterton sagt er das.
"Das
erstaunt mich, Herr Westphal. Ich hätte nie gedacht…"
"Wie
gesagt: Gott mag sie uns geschenkt haben. Mystizismus, Herr Wisweh, gehört zum
Menschen genauso, wie auch sein kluger Kopf, seine Beine, seine Haar-Armut und
seine platten Füße menschentypisch sind. Wir finden Mystik in allen Kulturen,
selbst bei den noch ganz naturnahen. Das verlangt regelrecht danach, an die
Konstitutivität dieser Eigenschaft zu denken. Sie ist ein, nun, ein, … ein
Grundnahrungsmittel für unsere Seele. Der Mensch scheint mir durch seine - wenn
Sie so wollen, natürliche, ich aber sage, von Gott gegebene – durch seine von
Gott geschenkte Ausstattung auf transzendentales Empfinden und Denken
vorbereitet."
"Ja,
warum auch nicht?!" Thomas fährt sich aufgeregt durchs Haar. "Amerikanische
Neurotheologen haben vor Jahren ein bemerkenswertes Buch geschrieben, eines mit
dem beziehungsreichen Titel 'Why God Won't Go Away'. Die Autoren kommen darin
tatsächlich zu dem Schluss, dass das Transzendente zu unserer Natur gehört und
daher der wie auch immer geartete Gott in uns nicht aussterben wird."
"Von
wegen dieser Nietzsche mit seinem 'Gott ist tot', nicht wahr, Herr Wisweh? In
der Tat, ganz gleich, wohin wir schauen, die Religion bleibt, trotz aller
Aufklärung, trotz aller Wissenschaft. Totgesagte …, na Sie wissen schon. Eine
interessante Erklärung, die Sie da anführen, Herr Wisweh. Ich habe das Buch von
Newberg übrigens auch gelesen. Überzeugend geschrieben, wenngleich ich ihm
nicht in jeder Hinsicht folgen mag."
***
Wind
kommt auf, und der Ton der himmlischen Orgel schwillt an. Wind und Orgel
vermischen sich zu einem Brausen. Während Hilmar auf das Haus starrt, wächst
dieses, wird größer und größer. Tatsächlich, das Haus bläht sich, und heller
ist es als die anderen Häuser. In einem rötlichen Licht schimmert es, während
die Umgebung dunkel bleibt. Ein Teufelsspuk. Doch Hilmar ist in der Hand Gottes
sicher. Die Fens-terrahmen flirren gelblich. Was sieht er da: Einige glühen
flammenrot, sie formen ein "H"! Nein, das hier ist kein Spuk, der
Herr gibt ihm wieder das Zeichen. Jetzt auch lässt sich Gott vernehmen, tief
und schallend ist seine Stimme, als ob er durch eine lange Röhre ruft. Aber die
Worte sind nicht zu verstehen.
"Ja,
HERR …, ich höre !" - ruft er in die Nacht, laut genug, um das Brausen zu
übertönen. Reglos verharrt er so eine lange Zeit, während er weiter gebannt das
Haus beobachtet. Hier also wohnt der Professor, hinter diesen Fenstern. Satan
hat sich seiner bemächtigt. In seinem Gehirn haust er. „Gottesmodul“ hatte der
Professor die Stelle hinterm Ohr genannt. Dort hat sich bei ihm der Teufel
eingenistet, Gott hat mir dessen Fratze gezeigt. Satan will die Weltherrschaft,
und in das Gehirn des Professors ist er gefahren, damit dieser die Menschen
lehrt, Gott zu leugnen. Denn Gottesfürchtigkeit bricht die Macht des Teufels.
Gewusst hatte er, dass ich von Gott gesendet bin, zu mir hatte der Professor
gesprochen, die ganze Zeit über. Mich von Gott abbringen, das will er! Und alle
die anderen, die da saßen und zuhörten, will er ebenfalls verführen. Seinen
Kopf sollte man anbohren, damit der teuflische Eiter ausfließen kann.
Rezensionen bei Amazon:
Auch inhaltlich ein Hit! 3. Dezember, 2006
Rezensent: Dr. Michael Blume (Filderstadt, Baden-Württemberg, Germany)
Ich hatte als Religionswissenschaftler über das Thema "Neurotheologie" promoviert und sah dementsprechend dem ersten "populärwissenschaftlichen" Roman über dieses Thema mit gemischten Gefühlen entgegen. Würde hier grob vereinfacht, Religion wieder ins Absurde verkürzt, übers Ziel hinausgeschossen?
Meine klare Antwort, nachdem mich das Buch einen ganzen Tag gefesselt hatte: Befürchtungen widerlegt, aufregende Entdeckung gemacht!
Gerald Wolf ist es nicht nur gelungen, einen munter-humorvollen Roman über einen Professor aus Leipzig an einer West-Uni zu schreiben (mit herrlich realistischen Dialogen z.B. am Professorenstammtisch) - sondern er beleuchtet die neurotheologische Debatte umfassend, bis in Details zutreffend und ohne eine bestimmte Position zu bevorzugen. Offen gesagt werde ich das Buch in zukünftigen Vorträgen als unterhaltsame und auch philosophisch "nahrhafte" Einführung für jene empfehlen, die nicht lauter schwere Wälzer durchforsten, und sich dennoch zum Zusammenhang von Religion und Hirnforschung informieren wollen.
Man merkt dem Autor an vielen Stellen (und auch am allzu schlichten Design des unerläßlichen, religiösen Fanatikers) an, dass er neu auf literarischem Gebiet ist. Allerdings hat mich das nicht gestört, es schien mir (bis in erfrischend neue Sprachbilder hinein) eher anregend und überraschend neu.
Mein Fazit also: hier hat es ein Autor geschaffen, Einblicke aus dem Universitätsalltag und seriöse, wissenschaftliche Inhalte in unterhaltsamer Form zu verpacken. Wer sich für Wissenschaft und Religion interessiert, sollte dieses Buch unbedingt gelesen haben, das sich m.E. aber auch als intelligentes Geschenk eignet.
Ein Votum für den Wissenschaftsroman. 24. Juli 2006
| Rezensentin/Rezensent: | Sapienta(Münster) |
Spaß und Unterhaltung gibt es auf unserem Buchmarkt mehr als genug, Fach- und Sachbücher wohl auch. Was so ziemlich fehlt ist Literatur, die beides verbindet: der Wissenschaftsroman. Wohlgemerkt, nicht Science Fiction meine ich, sondern die Wissenschaft von heute, und die mit einem möglichst interessanten romanhaften Drumherum. Nur eben dürfen in einem solchen Falle die Sachverhalte nicht einfach ersponnen, nein, sie sollten authentisch sein. Doch Wissenschaftler selbst sind wahrscheinlich nur selten in der Lage, einen Roman zu schreiben. Wolf als Hirnforscher und Uniprofessor kann beides. Es ist ein Genuss, sich von ihm den Universitätsbetrieb mit all den großen und kleinen Geistern zeigen lassen und gleichzeitig in eines der heute spannendsten Gebiete eingeführt zu werden: der Schnittstelle von Religion und Hirnforschung, der von Gott und der Welt und dem Guten und dem Bösen in der Religion. Ich kann mir jetzt auch denken, warum ich ein Talent zum mystischen Erleben habe, und anderen der Zugang vielleicht auf immer verwehrt ist. Schade nur, dass ich jetzt erst von dem HirnGott erfahren habe, und andere werden es leider nie. Die Großmogule des Literaturbetriebes beherrschen den Markt und haben die kleinen Verlage mittels Rabatt-, Vertreter- und Rezensionspolitik längst von den Büchertischen verdrängt. Fast nur noch globusweite Verkaufsrenner landen dort, Wolfs HirnGott jedenfalls findet man gerade mal in den Katalogen. Und auch dafür braucht man erst einen Tipp.
Renate Schmidt, Münster
Ein Professor schreibt einen Roman. 13. November 2005
| Rezensentin/Rezensent: Julia Fischer aus Stuttgart |
Das Beste, was ich bisher an Romanen mit Bildungseffekt gelesen habe! Ein Hirnforscher, Professor an einer Uni, nimmt den Leser durch ein gut ausgetüftelte Handlung gefangen und lässt ihn wie im Nebenher erfahren, was man heutzutage vom Menschen und seinem Gehirn wissen sollte. Die Kirche bleibt im Dorf, indem der Glaube im Ringen um ein modernes Menschenbild durchaus nicht etwa desavouiert wird. Auch hat mir gefallen, wie der Autor die so höchst unterschiedlichen Welten seines Helden Tom und die von dem gottbesessenen Hilmar durch die Unterschiede im Schreibstil hinbekommen hat. Das Buch hätte in einem größerem Verlag veröffentlicht werden sollen, in den Buchhandlungen liegt es nirgendwo aus.
Neurotheologie mal anders...., 26. Juni 2005
Um es gleich vorweg zu sagen: man merkt, dass dieser Roman von einem "Abend-, Nacht- und Sonntagsschreiber" (so hat sich der Autor selbst beschrieben)verfasst wurde. Ein neuer Schwanitz ist es ganz sicher nicht, da war Schwanitz von seiner Disziplin einfach näher an der Literatur. Dieser Roman ist von einem Biologen geschrieben, und das merkt man. ("...kaum Leute, kein Trubel, und vor allem Natur: Schilf, Seerosen, Libellen, dazu noch ein Pärchen der Rohrweihe....Vermutlich brütete das Paar ganz hinten im Röhricht.").
Aber der Autor hatte sicher auch nicht den Anspruch einen neuen "Schwanitz" zu schreiben, sondern durch die Romanform ein Gebiet der Hirnforschung, die Neurotheologie, einem breiterem Publikum vertraut zu machen. Und das ist dem Autor gelungen. Besonders weil der Held des Romans, ein Geschichtsprofessor, sich erst durch das für ihn fremde Sachgebiet durcharbeiten muss. Nebenbei bekommt man noch einen kleinen Einblick in das Alltagsleben einer deutschen Universität, und das erinnert dann schon ein bißchen an Schwanitz.
Das eigentliche Ziel erreicht der Autor: man bekommt nach dem Lesen einfach Lust sich weiter mit der Hirnforschung zu beschäftigen und vielleicht dann auch andere Literatur zum Thema zu lesen. Das noch relativ junge Forschungsgebiet "Neurotheologie" ist jedenfalls aktuell, hoch spannend und alle Fragen sind noch offen.
Bleibt nur zu hoffen, dass das Ziel des Autors - nämlich viele Leser für dieses Thema zu interessieren - nicht daran scheitert, dass der Roman nur in einem kleinen, eher regionalen Verlag veröffentlicht wurde.
Die stille Revolution. 13. Mai 2005
| Rezensentin/Rezensent: Peter Schnabel aus Magdeburg |
Eine einmalig gelungene Synthese von populärwissenschaftlicher Information und romanhafter Unterhaltung. Das Spannungsfeld von Wissenschaft und Religiosität wird einem breiten Leserkreis eingängig und auf hohem stilistischen Niveau übermittelt. Humorvolle Dialoge. Ein Wissenschaftsroman, angesiedelt im Universitätsmilieu, ein würdiges Pendant zum "Campus" von Schwanitz.